
Am Ortsausgang von Kanzach liegt der "Schlößlesberg". Das Bodendenkmal stammt von der alten Motte (Turmhügelburg) der Bachritter.
Wer aber waren die Bachritter?
Am 31. März des Jahres 1171 nach Christi Geburt lässt Herzog Heinrich von Bayern und Sachsen in Tivringin (Theuringen) eine Urkunde niederschreiben.
Als Zeugen der beurkundeten Schenkung werden unter anderen die Brüder "Bernhardus und Ortorfus des Kanczach" aufgeführt. Beide hatten den Schenkungsvorgang gesehen und gehört, wie die Urkunde sagt. Dies ist die erste Nennung der Herren von Kanzach, später Bachritter genannt. Wer von beiden der Stammvater der späteren Bachritter war, wissen wir nicht.....
Nach der aktuellen Forschung folgen diesen ersten Bachrittern Peregrinus oder Bilgerinus de Pphlumar, d.h. von Pflummern (Pflummeren). Peregrinus gilt als Stammvater der Herren von Pflummeren, den Beinamen "Bachritter" trägt er noch nicht. Ab dem 13. Jahrhundert fällt also der Kanzacher Ortsadel mit deren von Pflummeren zusammen. Ortolph von Pflummeren ist der erstgenannte Bachritter zu Kanzach. Ihm folgen sein Sohn Bertoldus und danach sein Enkel Conradus. Dieser ist der letztgenannte Bachritter, er verstirbt 1366.
Heute wissen wir, das unsere originale Bachritterburg ungefähr Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden ist. Wie die meisten Holzburgen dieser Zeit fiel die Kanzacher Turmhügelburg den Flammen zum Opfer. Uns wohl nicht gesonnene Buchauer Bürger setzten sie 1392 in Brand. Diese war 1331 nicht mehr im Besitz der Bachritter und nunmehr im Eigentum von Georg von Blankenstein. Seine Mutter Agathe wurde bei dieser Gewalttat "verbrent und geschadget". Die Wiederherstellung war den Eigentumsnachfolgern der Bachritter offensichtlich unerschwinglich. Der Gedanke an eine Wiederherstellung wurde aufgegeben.
Diie Geschichte der Bachritterburg hätte wohl geendet, wäre da nicht 700 Jahre später, kurz vor Weihnachten 1998, Karl Banghard, der damalige Bauleiter des Steinzeitdorfes in Bad Buchau auf den Plan getreten. Ihm gelang es, Gemeinderat und Bürgermeister für seine Idee zu begeistern.
Kanzach sollte die erste Rekonstruktion einer mittelalterlichen Niederadelsburg wagen. Gebaut wurde bereits 2000 nach den Forschungsergebnissen von Dr. Tilman Mittelstraß (Grabungsbefund eines hölzernen Wohnturmes der ehemaligen Wasserburg Eschelbronn im Kraichgau). Die Einweihung am 24. Juni 2001 wurde zum großen mittelalterlichen Spektakel. Schon zwei Jahre später wurde nach den Plänen von Dr. Stefan Uhl und Burkhard Lohrum mit dem Bau der Vorburg begonnen. Nach nur einjähriger Bauzeit konnte am 1. April 2004 die durch eine Vorburg erweiterte spätmittelalterliche Niederadelsburg neu in Betrieb genommen werden.
Die Bachritterburg erlebte jetzt unerwartete Besucherströme. Schon 2006 konnte der 100.000 Besucher begrüßt werden. Gestützt auf das von Dr. Siemers konzipierte Burgbelebungskonzept, indem regelmäßig professionelle Museumspädagogen und Living-History-Darsteller die Anlage bewohnen, sieht sich die Gemeinde für ihr mutiges Vorgehen belohnt, denn jährlich kommen zwischen 25.000 und 30.000 Geschichtsinteressierte in die in Europa einzigartige idealtypische Rekonstruktion einer Niederadelsburg.






















